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Aspekte der klinischen Psychologie

Die klinische Psychologie ist ein Forschungsbereich der Psychologie, der sich mit der Entstehung und Behandlung von psychischen Störungen befasst. Es werden biologische, soziale, Verhaltens-, Entwicklungsbezogene, kognitive und emotionale Grundlagen psychologischer Störungen mit einem systematischen Vorgehen untersucht. Diese Untersuchungen dienen als Grundlage zur Entwicklung von Therapieplänen.

 

Ein Beispiel aus dem täglichen Leben im Straßenverkehr. Wir stehen an einer roten Ampel und auf der anderen Seite beschließt jemand einfach die Straße zu überqueren. Das gesellschaftliche Wertesystem sieht hier ein abweichendes Verhalten und in der klinischen Psychologie wird systematisch nach Gründen und nach Methoden zum beheben des vorhandenen Defizits gesucht.


Merkmale psychischer Störungen

Eine psychische Störung ist immer ein vorliegen von Verletzungen des jeweiligen Werte- und Normensystems. Werte und Normen weichen dabei von Gesellschaft zu Gesellschaft kulturbedingt ab. Daher ist eine eindeutige Diagnose immer nur dann aussagekräftig, wenn mehrere Störungen zusammen vorliegen.

 

Statistische Seltenheit

Die statistische Seltenheit bedeutet, dass ein auffälliges Verhalten/ Merkmal nur bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung vorhanden ist. Dies kann positiv, wie ein erhöhter IQ oder negativ, wie niedrige Intelligenz, sein. Somit ist dieses Verhalten/ Merkmal nicht der Norm entsprechend und kann als psychische Störung gewertet werden.

 

Missachtung sozialer Normen

Diese Verhaltensweisen stehen in absoluter Verbindung zu der jeweiligen Kultur und Gesellschaft und können daher auch nicht als alleinige Erklärung für eine psychische Störung genutzt werden. Zum Beispiel verletzt ein Dieb soziale Normen, gilt aber nicht als psychisch gestört. Ist er jedoch jeden Tag auf Diebestour, ohne das sich eine Erklärung dafür findet, kann dies ein Merkmal eine psychischen Störung sein.

 

Leiden

Ein Hinweis auf eine psychische Störung kann vorliegen, wenn Menschen und deren Umfeld unter Verhaltensweisen leiden. Zum Beispiel stellt ein schlechter Tag noch keine psychische Störung dar. Reiht sich aber ein schlechter Tag an den Nächsten, kann dies auf eine Depression hinweisen.

 

Beeinträchtigung der Lebensführung

Leiden und die Beeinträchtigung des Lebens gehen sehr eng einander her und die Beeinträchtigung der Lebensführung stellt eine Steigerung des Leidens dar. Im genannten Beispiel mit den schlechten Tagen steigert sich dies so sehr, dass der Betroffene nicht mehr das Bett morgens verlässt, da er nicht mehr die Kraft aufbringt, gegen den vermeintlich schlechten Tag zu agieren.
 
Abweichendes und unangemessenes Verhalten

Kommt es in einer konkreten Situation zu einem abweichenden und unangemessenen Verhalten, kann dies auf eine psychische Störung hinweisen. Der Umfang und das Ausmaß der gezeigten Verhaltensweise ist dabei irrelevant. Im genannten Beispiel unseres Betroffenen wäre das morgendliche nicht aufstehen ein unangemessenes Verhalten, welches Außenstehende nicht nachvollziehen können und somit als unangemessen Bewerten.

 

Klassifizierung

Es gibt verschiedene Systeme die psychische Störungen klassifizieren. Das Triadische System nach Kraeplin, International Classification of Diseases (ICD-10) und Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV). Die Klassifizierungssysteme sind rein beschreibend aufgebaut und die Beschreibung von Symptomen steht im Vordergrund. Diese sind unabhängig von theoretischen  und/ oder ätiologischen Annahmen. Die dabei erkannten Symptome sind mehrachsig und beachten Aspekte körperlicher und psychischer Gesundheit sowie den sozialen Einfluss.

 

Das Triadische System

Das Triadische System ist nach Ursachen von psychischen Erkrankungen klassifiziertes System.  Erstmal von Emil Kraepelin entwickelt und von Ernst Kretschmer und Karl Jaspers weiter entwickelt wurde. Die Ursachen der Erkrankung werden in drei Gruppen eingeteilt.

 

-    Organische ausgelöste psychische Erkrankungen (Bsp. Demenz)


-    Endogene ausgelöste psychische Erkrankungen durch Veränderungen des Körpers (Bsp. Schizophrenie)


-    Psychisch ausgelöste psychische Erkrankungen (Bsp. Neurose)

Das Triadische System ist sehr übersichtlich gehalten und eine konkrete Differenzierung ist meist sehr schwierig.

 

International Classification of Deseases (ICD-10)

Die ICD ist die in Deutschland genutzte Klassifikation von Krankheiten. Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen werden ab Abschnitt F aufgelistet. Die Nummern können bis zu 5 Stellen aufweisen, wobei die Regel gilt, je mehr Stellen die Nummer hat, desto konkreter ist die Störung beschrieben.

 

Die ICD Codierung bezieht sich auf folgende 3 Gruppen.

-    Klinische Diagnose
-    Soziale Einschränkungen
-    Psychosoziale Situation

 

Diagnostic and Statisdical Manual of Mental Disorders (DSM)

Diese Klassifizierung ist von der American Psychiatic Assiocation (APA) entwickelt wurden und wird in den USA verwendet. Die DSM Codierung bezieht sich auf 5 Gruppen.

 

-    Psychische Störungen


-    Persönlichkeitsstörungen und Intelligenzminderung


-    Körperliche Störungen


-    Psychosoziale und umgebungsbedingte Störungen


-    Beurteilung des Funktionsniveaus


Anamnese und Befunderstellung

Im Gespräch mit dem Klienten muss das Gespräch so gelenkt werden, das dieser seine Symptome so schildert, dass eine Diagnose gestellt werden kann. Dazu dient eine ausführliche Anamnese des Klienten. Diese enthält wichtige Biographische Informationen, die bisherige Krankheitsgeschichte und aktuelle psychopathologische Symptome. Die benötigten Informationen können durch Fragen, aber auch durch Beobachtung des Klienten erworben werden. Wichtig ist hierbei das sich der Helfer immer ein eigenes Bild macht und bereits gestellte Diagnosen überprüft.

 

Biographische Anamnese

Die Biographische Anamnese gibt einen groben Einblick in das Leben des Klienten. Relevante Fakten können sein:

 

-    Schwangerschaft und Geburtsumstände


-    Frühkindliche Entwicklung


-    Vorschulische und Schulische Entwicklung


-    Pubertät


-    frühes Erwachsenenalter


-    berufliche Entwicklung


-    frühere und aktuelle Partnerschaften und Kinder


-    Sozioökonomische Rahmenbedingungen

 

Bei welchen Themen in die Tiefe gegangen und bei welchen Themen nur oberflächlich gesprochen wird, hängt von der konkreten psychischen Störung, sowie vom didaktischen Vorgehen und Vorlieben des Helfers ab.

 

Krankheitsgeschichte

Leidet ein Patient aufgrund psychischer Störungen bereits mit somatischen Symptomen oder ist wiederholt an einer psychischen Störung erkrankt, ist eine umfassende Krankheitsanamnese unerlässlich.

Wichtige Stufen sind dabei:

 

-    Frühere psychische Erkrankungen – Welche Vordiagnosen liegen vor und woher stammen diese. Welche Therapien sind bereits durchgeführt worden und welche psychosozialen Auswirkungen liegen vor.


-    Aktuelle Erkrankungen – Liegen chronische Beschwerden vor und was sind mögliche Auslöser. Wie waren bisherige Behandlungsversuche und wie ist das subjektive Empfinden des Klienten.


-    Komplikationen – Komplikationen sind meist durch den Klienten selbst herbeigeführte Selbstheilungsversuche. So wird z.B.  durch den Konsum von Alkohol durch den Klienten versucht, die dauernde Druckbelastung zu entspannen und Erholung zu erreichen. Diese Entlastungsversuche können bis zum Suizid führen. Die Aufmerksamkeit des Helfers muss hier voll aufleuchten und das Thema aktiv im Gespräch angesprochen werden. Dies obliegt der Sorgfaltspflicht des Helfers und kann strafrechtliche Konsequenzen bei unterlassen nach sich ziehen.


-    Therapiemotivation – Bei der Therapiemotivation stellt sich die Frage, warum der Klient aktuell die Hilfe eines Beraters/ Helfers in Anspruch nimmt. Welcher konkrete Anlass Ihn zum handeln zwingt und woher der Antrieb zur Änderung stammt. In der Regel sind diese Anlässe hoch aktuell und beschäftigen den Klienten sehr umfassend. (Bsp. Verlust des Arbeitsplatzes) 

 

Psychopathologische Symptome

Viele pathologisch relevante Symptome können durch eine Beobachtung des Klienten im Gespräch überprüft und beobachtet werden. Das Erscheinungsbild, das Verhalten während des Gesprächs , das Sprechverhalten und die Mimik/ Gestik des Klienten spielen dabei eine gewichtige Rolle. Aufgrund der gewonnen Erkenntnisse kann der Helfer seine Fragen konkretisieren und die Symptome besser zuordnen.

 

-    Bewusstsein – Es gibt qualitative und quantitative Bewusstseinsstörungen. Im Bereich der qualitativen Störrungen liegen die Wachstörungen wie auffallend schläfrig oder Benommenheit. Die quantitativen Störungen liegen im Bereich der Bewusstseinstrübung und Verschiebung wie Verwirrtheit und Einengung von Denkinhalten.


-    Orientierung – Es erfolgt eine Überprüfung der zeitlichen und örtlichen Orientierung des Klienten.


-    Aufmerksamkeit und Gedächtnis – Es wird die Konzentrationsfähigkeit, ein möglicher Verlust von Erinnerungsinhalten und das Auftreten von Gedächtnisillusionen abgefragt und überprüft.


-    Denken – Es gibt formale (Denkprozess) und inhaltliche (Inhalt des Gedachten) Denkstörungen.  Formale Denkstörungen sind unter anderem verlangsamtes und umständliches Denken. Inhaltliche Denkstörungen sind unter anderem Zwangsgedanken (Tics) und wahnhaftes Denken (gesteigertes Händewachsen schützt vor Krankheit).

 

-    Sinnestäuschungen – Sinnestäuschungen sind Illusionen und Halluzinationen, wie Hören von Stimmen und/ oder sehen von nicht vorhandenen Gegenständen.

 

-    Ich Störungen – Eine Ich Störung liegt z.B. bei einer Gedankenausbreitung (andere können die eigenen Gedanken lesen) und einer Depersonalisation (eigene Person kommt unwirklich vor) vor.

 
-    Affektivität – Affektivität sind Störungen im Gefühlsausdruck des Klienten. Die dabei gezeigten Gefühle entsprechen nicht der Situation und den Empfinden des Klienten. Weiterhin kann eine Affektlabilität, Affektinkontinenz (Klient kann sein Gefühle nicht für sich behalten) und eine Hyperthymie (übertrieben gute Stimmung beim Klienten).


-    Psychomotorik – Störungen der Psychomotorik sind alle Formen von gesteigerter oder geminderter psychomotorischer Aktivität. (Bsp. motorische Unruhe oder motorische Starre)


-    Zirkadiane Besonderheiten – Zirkadiane Besonderheiten sind regelmäßige Verschlechterungen oder Verbesserungen. (Bsp. tägliches Morgentief was sich über den Tag auflöst)

Wissensquelle Lehrbrief Paracelsus - Heilpraktikerschulen

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