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Aspekte der klinischen Psychologie - Symptome psychischer Störungen

Die Symptome psychischer Störungen lassen sich in 9 Gruppen unterteilen.

 

Diese sind:

 

Bewusstseinsstörungen

 

Gedächtnisstörrungen

 

Denkstörungen

 

Zwangssymptome

 

Wahrnehmungsstörrungen

 

Ich Störungen und Entfremdungserlebnisse

 

Störungen der Affektivität

 

Antriebsstörungen

 

Wahn

 

 

 

Bewusstseinsstörungen

 

Bewusstseinsstörungen sind eine Beeinträchtigung der Selbstkontrollfähigkeit und der gesamten psychischen Vorgänge. Ursachen können Entzündungen, Schädel-Hirn Traumas, Intoxikationen und sonstige Stoffwechselentgleisungen sein.

Es gibt die quantitativen und die qualitativen Bewusstseinsstörungen.

 

Quantitative Bewusstseinsstörung

 

Dies sind Beeinträchtigungen des Bewusstseins die sich auf den kranken Umgang mit dem Schlaf-Wach Rhythmus auszeichnen. In Folge einer Störphase treten häufig Amnesien auf. Folgenden Störungen gibt es dabei.

 

 Benommenheit – Das Bewusstsein ist meist noch vorhanden, die Reaktionen sind aber verzögert. Die Kommunikation, Aktivität und die Denkleistung sind verlangsamt und die Orientierung kann eingeschränkt sein.

 

Somnolenz – Der Betroffene hat Zeiträume von unnormaler Schläfrigkeit. In dieser Phase ist er kaum zu wecken und nur bedingt Reaktionsfähig. Nach diesen Phasen folgt eine Amnesie über den vorherigen Zeitraum.

 

Sopor – Der Betroffene hat einen schlafähnlichen Zustand, aus dem er selbst mit stärksten Reizen nicht zu wecken ist. Außer den Reflexen ist kaum eine Reaktion erhalten.

 

Koma – Der Betroffene ist nicht mehr zu wecken und die Reizreaktionen sind bis auf sehr wenig runter gefahren. Es liegt eine Störung der Großhirnfunktion vor, die meist Lebensbedrohlich ist.

 

Hypervigilität – Der Betroffene ist unnormal Wach und psychomotorisch Hyperaktiv. Informationen werden ungefiltert aufgenommen und es kann nicht mehr zwischen Wichtig und Unwichtig unterschieden werden.

 

Qualitative Bewusstseinsstörung

 

Dies sind Beeinträchtigungen des Bewusstseins über die normalen psychischen Abläufe. In einer Störphase treten kognitive, psychomotorische, Wahrnehmung und affektive Störungen auf. Folgenden Störungen gibt es dabei.

 

Bewusstseinstrübung – Der Betroffene verliert die Fähigkeit, Belange der eigenen Person mit den Belangen der Umwelt in Verbindung zu bringen und zu Handeln. Typische Krankheiten sind Delir, Vergiftungen, Psychosen und starker Flüssigkeitsmangel.

 

Bewusstseinseinengung – Der Betroffene nimmt nur noch kleine Bereiche seiner Umwelt wahr. Das denken ist fokussiert und auf wenige Themen eingeschränkt. Die Steigerung ist der Dämmerzustand und Ursachenkönnen posttraumatische Belastungen und sogar schwere Konzentration sein.

 

Bewusstseinsverschiebung – Der Betroffene hat ein subjektives Erleben mit gesteigerter Wachheit und einer erweiterten Wahrnehmung. Es gibt gesunde und ungesunde Verschiebungen wie Meditation oder die Manie.

 

 

 

Gedächtnisstörungen

 

Gedächtnisstörungen sind Beeinträchtigungen der Erinnerung- und der Merkfähigkeit. Der gezielte Abruf und das ablegen von Information ist gestört oder gar nicht mehr möglich.

Quantitative Gedächtnisstörungen betreffen den Umfang und qualitative Gedächtnisstörungen betreffen den Inhalt von Informationen. 

 

Allgemeine Gedächtnisstörungen – Betroffene leiden unter dem Kaskow-Syndrom und der Hypomnesie. Dies sind Gedächtnisstörungen mit einer Schwächung des Erinnerungsvermögens. Sie ist nicht zeitlich begrenzt und betrifft stärker das Kurzzeitgedächtnis.

 

Amnesien – Betroffene leiden unter Erinnerungslücken zu konkreten Zeiträumen. Ursachen sind Intoxikationen, Schädigungen des Gehirns, nach schweren seelischen und physischen Schädigungen des Gehirns. Es gibt die einfache Amnesie (der Betroffene hat rund um das Trauma Erinnerungslücken), die retrograde Amnesie (der Betroffene kann Erinnerungen unmittelbar bis Wochen vor einem Traum nicht mehr abrufen), die anterograde Amnesie (Steigerung der retrograden Amnesie. Betroffene sind nicht in der Lage Informationen im Langzeitgedächtnis abzulegen), die dissoziale Amnesie (der Betroffene kann sich an ein spezielles Trauma nicht erinnern) und die transitorisch-globale Amnesie (der Betroffene leidet an der retrograden und der anterograden Amnesie und hat dazu noch Orientierungsstörungen).

 

Hypermnesien – Der Betroffene leidet an einer Gedächtnisstörung und erlebt sehr detailliert alte Erinnerungen und ist nicht in der Lage neue Erlebnisse zu speichern. Diese Phasen können durch Nahtoderlebnisse, epileptischen Anfällen, Drogenkonsum und Fieber ausgelöst werden.

 

Paramnesien – Betroffene haben Erinnerungen und Erlebnisse die inhaltlich geändert und angepasst werden. Diese Erinnerungen werden dann als real erlebt hinterlegt und ausgeschmückt. Bsp. Deja-Vues. Es gibt die Pseudoamnesie bei Wahn (der Betroffene ändert die gespeicherten Informationen, sodass diese zum Wahn passen), die pseudologia phantastica (der Betroffene erfindet Erlebnisse und baut damit seine eignen Erlebnisse aus. Ziel ist es im Mittelpunkt zu stehen), die Konfabulation (Betroffen füllen Erinnerungslücken selbst und halten diese für Real), die vermeintliche Vertrautheit (Betroffene glauben sicher Personen wieder zu erkennen, obwohl Sie völlig unbekannt sind).

 

 

 

Denkstörungen

 

Denken ist die Kombination aus abstrakter Symbolverarbeitung und der Gedächtnisleistung. Dabei gibt es das formale und das inhaltliche Denken.

 

Inhaltliche Denkstörungen – Betroffene können die realen Denkinhalte nicht mehr verarbeiten. Es gibt den Wahn (Betroffene konstruieren eine eigene Realität und bauen dies sogar mit Beweiskonstruktionen aus.)und die überwertigen Ideen (Der Betroffene richtet sich nach der unrealistischen Idee völlig aus.).

 

Formale Denkstörungen – Betroffene haben Defizite in der Denkgeschwindigkeit, dem Denkablauf, und der Denklogik. Es gibt das eingeengte Denken (Der Betroffene kann nur an ein Thema denken und blendet alles weitere aus), Grübeln (Der Betroffene hat zum Teil ein eingeengtes Denken mit mehr Denkthemen), dem Gedankenabreißen (Betroffene können einen Gedanken nicht zu Ende bringen), dem umständlichen Denken (Der Betroffene kann nicht mehr wichtiges von unwichtigem unterscheiden), gehemmtes Denken (Betroffene denken verlangsamt, obwohl dies als unangenehm von Ihm selbst empfunden wird), Verbigeration (Betroffene leiden z.B. an Schizophrenie und wiederholen immer wieder Laute und Wörter ohne einen Zusammenhang), Ideenflucht (Der Betroffen ist so schnell im Denken, das bei einer Kommunikation das Gegenüber nicht folgen kann), zerfahrenes Denken (Betroffene verlieren die Fähigkeit Wörter und Inhalte sinnvoll miteinander zu verbinden), Vorbeireden (Der Betroffene bildet Sätze die nicht zusammen passen und nicht zu verstehen sind), das persevierende Denken (Betroffene bleiben oft bei einem Wort/ Satzinhalt haften) und Neologismen (Betroffene entwickeln neue Wörter, die es nicht gibt). 

 

 

Zwangssymptome

 

Die Zwangssymptome unterteilen sich in Zwangshandlungen und Zwangsgedanken unterteilen. Betroffen erkennen die Unsinnigkeit des Gedanken oder der Handlung, können sich dieser aber nicht widersetzen, da sonst keine innere Ruhe zu erreichen ist.

 

Zwangsgedanken – Betroffene können von einem bestimmten Gedanken nicht loslassen, obwohl Sie die Unsinnigkeit darin erkennen. Bsp. Es muss alles gezählt werden. In den meisten Fällen folgt nach einem Zwangsgedanken eine Zwangshandlung.

 

Zwangshandlungen – Betroffene  haben bestimmte Handlungen, die Sie immer wiederholen müssen. Sie entstehen aus einem Zwangsgedanken und beruhigen und nehmen Ängste bei der Ausführung. Die Unsinnigkeit wird selbst erkannt, aber der Zwang ist stärker. Es gibt den Waschzwang (Betroffene müssen sich und Gegenstände unnatürlich rein halten, was sich immer weiter steigert), den Kontrollzwang (Betroffene müssen immer wieder auf gefahren oder vergessen kontrollieren) und die Zwangsimpulse (Betroffene haben sozial negative Handlungsimpulse und verletzen sich selbst).

 

 

Wahrnehmungsstörungen

 

Wahrnehmungsstörungen sind alle optischen Fehler in der Wahrnehmung der Betroffenen. Sie unterteilen sich in Halluzinationen und den Halluzinationsähnlichen Erfahrungen.

 

Halluzinationen – Betroffene können in allen Sinnesbereichen Fehlinformationen erhalten und nicht unterscheiden, ob diese real sind oder nicht. Ursachen können Delir, Schizophrenie, Gehirnveränderungen und berauschende Substanzen sein. Es gibt die akustische Halluzinationen (Betroffene nehmen Geräusche wahr, die nicht vorhanden sind), optische Halluzinationen (Betroffene nehmen visuell Reize auf, die nicht vorhanden sind), haptische Halluzinationen (Betroffene nehmen taktile Reize wahr, die nicht vorhanden sind), Leibhalluzinationen (Betroffene nehmen Körperreize fehl auf und haben nicht vorhandene Empfindungen), olfaktorische und gustatorische Halluzinationen (Betroffenen nehmen den Geruchs- und den Geschmacksreiz fehl wahr oder bilden sich diese ein).

 

Halluzinationsähnliche Erfahrungen -  Betroffene haben unter bestimmten, meist selbst herbeigeführten Voraussetzungen eine Wahrnehmungsstörrung. Es gibt die Pseudohalluzinationen (Betroffene merken eine nicht reale Wahrnehmung Bsp. bei Übermüdung, im Halbschlaf oder bei Schlafentzug), die Illusionen (Betroffene haben subjektive Sinnestäuschungen und erkennen dies) und die optischen Sinnestäuschungen (Betroffene haben eine subjektive Wahrnehmung, die aber wissenschaftliche Erklärbar sind. Bsp. Größe des Mondes).

 

 

Ich-Störungen und Entfremdungserlebnisse

 

Betroffene können Ihr Verhalten und Ihre Erlebnisse nicht mehr in der Gesamtheit sehen und sich davon stellenweise abgrenzen. Das Gefühl sich als eine Person zu fühlen geht verloren.

 

Ich-Störungen – Betroffene erleben die Umwelt nicht mehr als ihre und können sich nicht mehr von Ihr abgrenzen. Dies tritt bei der Gedankenausbreitung, dem Gedankenentzug und der Gedankeneingebung auf. Betroffene haben das Gefühl von aussen gesteuert zu sein.

 

Entfremdungserlebnisse – Betroffen unterteilen sich in zwei Gruppen mit verschiedener Fokussierung. Die Depersonalisation beschreibt den Verlust der eigenen Person. Der Betroffene hält sich nicht mehr für sich selbst. Bei der Derealisation hat der Betroffene den Eindruck, dass die Umwelt nicht mehr die Bekannte ist und sich verändert hat. Ursachen der Entfremdungserlebnisse gehen von zeitlich begrenzten Einflüssen wie Übermüdung und besonderen seelischen Belastungen. Aber auch psychische Störungen wie Schizophrenie und Depressionen.

 

 

Störungen der Affektivität

 

Störungen der Affektivität beziehen sich auf das komplette Gefühlsleben. Basis der Affektivität ist die Persönlichkeit mit dem individuellen emotionalen Erleben. Folgende Störungen gib es dabei.

 

Affektarmut – Betroffene ziehen sich emotional in einem Sachverhalt zeitlich zurück. Beispiel dafür sind Trennungen und die vor steigende Gleichgültigkeit dem Partner gegenüber.

 

Affektstarre – Betroffene sind kaum bis gar nicht mehr Ansprechbar und bleiben in einem bestimmen emotionalen Empfingen hängen.

 

Inadäquater Affekt – Betroffene können emotionale Situationen nicht richtig bewerten und reagieren meist konträr der Situation und somit Gesellschaftlich unangepasst.

 

Affektinkontinenz – Betroffene reagieren sehr heftig auf kleine Umweltreize und sehr überzogen mit eigenen Emotionen.

 

Affektlabilität – Betroffene haben eine geminderte Reizgrenze und reagieren stark und sehr wechselhaft dabei. Bsp.: Schnell gereizt und wütend, aber auch weinerlich.

 

Ambivalenz – Betroffene werden Handlungsunfähig, da Sie nicht entscheiden können. Reizwünsche sind konträr und somit nicht realisierbar.

 

 

Antriebsstörungen

 

 Antrieb ist die innere Kraft für Handlungen jeglicher Art. Bei den Antriebsstörungen ist dies gestört, bin hin zu kompletten Stillstand und zur vollen Hemmung. Es gibt dabei die Antriebssteigerungen und die Antriebsverminderungen. Bei den Antriebssteigerungen wird die Aktivität gesteigert, bin hin zum völligen erschöpfenden Zustand. Bei der Antriebsminderung wird die Aktivität bis zum Stillstand herunter gefahren. Eine gesonderte Form dabei ist die Antriebshemmung, wo der Betroffenen die Auslöser in der Umwelt verspürt.

 

 

Wahn

 

Betroffen erleben eine völlig subjektive Umwelt und verstehen nicht, dass die Umwelt dies nicht so erlebt. Gegenteiliges wird als Angriff und nicht Voll nehmen aufgenommen. Sie leben nicht im glauben Ihrer Vorstellung, sonder Sie wissen es. Der Wahn ist daher indiskutabel und versuche dies zu ändern verschlimmern die Situation. Der Betroffene entwickelt eine eigene Idee und rückt nicht mehr von dieser ab. Die äussere Realität wird in diese Idee eingelochten und darüber für Richtig erklärt. Folgende Formen gibt es.

 

Wahnstimmung – Betroffene haben eine erhöhte Alarmbereitschaft und sind immer in Lauerstellung. Sie können dieses Gefühl nicht ablegen und glauben jede Sekunde kann etwas passieren und die Wahnstimmung trifft ein.

 

Wahneinfall – Betroffene haben plötzliche wahnhafte Überzeugung und nehmen diese für Real. Es findet eine Verarbeitung dieser Fehlinformation statt und unbegründete Verdächtigungen sind die Folge.

 

Wahnwahrnehmung – Betroffene haben eine eigene Wahrnehmung zu bestimmten Reizen entwickelt. Dies geht hin bis zu kompletten Botschaften, die nur Sie wahrnehmen können und zu bestimmten Handlungen auffordern.

 

Wahngedanken – Betroffene können sich nur noch mit einem Gedanken fokussieren und bauen zu diesen Verbindungen zu aktuellen Wahrnehmungen/ Reizen auf.

 

Wahnerinnerungen – Betroffene entwickeln einen Wahn und suchen anschließend in Ihrer Historie nach beweisen. Damit voll die Wahnerkenntnis bewiesen werden und Beispiele werden gesucht.

 

Erklärungswahn – Betroffene suchen nach Erklärungen für die Abweichungen der eigen und der fremden Wahrnehmung.

 

Symbiotischer Wahn – Betroffene übernehmen einen Wahn eines anderen Betroffenen und erleben diese ab dann gemeinsam.

 

Beziehungswahn – Betroffene entwickeln zu einer alltäglichen Situation einen Wahn und erhalten nur an Sie gerichtete Nachrichten.

 

Beeinträchtigungswahn – Betroffene fühlen sich von der Umwelt angegriffen und alles passiert nur wegen Ihnen. Vergiftungs- und Verfolgungswahn sind zwei Unterformen.

 

Eifersuchtswahn – Betroffene sind davon überzeugt, vom Partner betrogen zu werden. Häufig bei Suchtbetroffenen, die alles sich verschworen hat, die Sucht anzugehen.

 

Liebeswahn – Betroffenen lieben eine andere Person unendlich und sind überzeugt, dass diese ebenso empfindet.

 

Krankheitswahn – Betroffene glauben eine Krankheit zu haben und daran zu sterben.

 

Größenwahn – Betroffenen halten sich für Unfehlbar, bis hin zu Göttern.

 

Nichtigkeitswahn – Betroffene halten sich für klein und nichtig.

Quelle: Einführung in die klinische Psychologie - Lehrheft Paracelsus Schulen

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